Krass: Gesetzliche Krankenkasse will 150 AußendienstmitarbeiterInnen einstellen – nicht zur Gesundheitsberatung sondern zum Vertrieb

Der Wettbewerb unter den gesetzlichen Krankenkassen nimmt selbstsame Formen an. So will eine „der größten deutschen gesetzlichen Krankenversicherungen“ 150 AußendienstmitarbeiterInnen für den Vertriebsbereich einzustellen. Konkret heißt dass, dass bei dieser gesetzlichen Krankenkasse jährlich dann mindestens sieben weitere Millionen Euro nicht für die eigentliche Aufgabe der Krankenkasse sondern für die neu eingestellten VertriebsmitarbeiterInnen ausgegeben wird. Hinzu kommen noch  Fahrtkosten oder Dienstfahrzeuge und vermutlich auch Provisionen. Damit dies AußendienstmitarbeiterInnen nicht wie eine Drückerkolone agieren müssen, soll ein Callcenter-Dienstleister beauftragt werden, der für „jeden der 150 Vertriebsmitarbeiter(…) 4-7 qualifizierte Außendiensttermine pro Tag“ vereinbaren soll. (Quelle: http://www.avocis-healthcare.com/de/healthcare-case-studie-aussendienstterminierung-gkv). Auch diese Dienstleistung wird nicht kostenfrei erbracht. „Innerhalb einer umfassenden Telemarketingkampagne sollen pro Jahr 150.000 Dialogadressen – bestehend aus Kündigern, beim Kunden versicherten Berufsstartern sowie Haltezielkunden – kontaktiert werden.“(Quelle: http://www.avocis-healthcare.com/sites/default/files/press-downloads/casestudy_healthcare_-_terminvereinbarung_gkv.pdf).

Interessant finde ich den Begriff „Haltezielkunden“. Das sind – so vermute ich – gut zahlende KundInnen, die möglichst nur die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und sonst keine Leistungen benötigen.

Mein persönlicher Kommentar: Diese gesetzliche Krankenkasse sollte durch Qualität und gute Leistungen überzeugen, nicht durch Vertriebs-AußendienstmitarbeiterInnen.

 

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Über extdsb

Ich bin Diplom Informatiker (mit Schwerpunkt Datenschutzrecht) Datenschutzexperte und anerkannter Datenschutzsachverständiger (rechtlich, technisch). Ich berate Unternehmen und andere Institutionen bei allen Fragen zum Datenschutz und bin in verschiedenen Unternehmen als externer Datenschutzbeauftragter tätig. Ehrenamtlich bin ich u.a. als stellv. Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Datenschutz e.V. und als Beiratsmitglied des Forums InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) e.V. aktiv.
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2 Antworten zu Krass: Gesetzliche Krankenkasse will 150 AußendienstmitarbeiterInnen einstellen – nicht zur Gesundheitsberatung sondern zum Vertrieb

  1. extdsb schreibt:

    Und was mir gerade noch einfällt: Früher wurden die „Kunden“ und „Kundinnen“ einer Krankenkasse bzw. Krankenversicherung noch Mitglieder genannt. Heute sind wir also nur noch KundInnen der gesetzlichen Krankenversicherung!

  2. extdsb schreibt:

    Falls mich so ein Callcenter anrufen würde oder gar einE AußendienstmitarbeiterIn aufsuchen würde, dann würde ich den/die Anruferin bzw. den/die AußendienstmitarbeiterIn fragen, bei welcher Krankenversicherung er/sie den versichert sei und von letzteren sicherheitshalber die Krankenversicherungskarte (ob mit oder ohne Bild) zeigen lassen. 🙂

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